This is:  Cube5

Wundversorgung und Wundheilung

Verletzungen und Wunden kommen bei Tieren öfter mal vor. Sei es, dass Katzen sich mit einer anderen Katze im Revier in die Quere kommen, Hunde sich beim Toben einen Ratscher zufügen, Pferde sich irgendwo aufschürfen – Gründe gibt es viele. Kleinere Kratzer „behandeln“ die meisten Tiere selbst, indem sie die Stellen belecken. Somit reinigen sie die Wunde und  desinfizieren sie gleichzeitig, denn Speichel enthält antibakterielle und wundheilungsfördernde Bestandteile.

Viele Wunden, die über eine Schramme hinausgehen,  können Sie sehr gut selbst versorgen. Damit Sie eine Wunde beurteilen und ihren Heilungsverlauf einschätzen können, sollen Ihnen die folgenden Informationen helfen:

 

 
Vorgänge bei der Wundheilung

 

Die Heilungsreaktion setzt schon sehr früh ein und läuft in mehreren Phasen ab.

1. Phase: Exsudationsphase (Phase der Ausschwitzung)

Durch die Verletzung der Haut wird das Gerinnungssystem aktiviert. Benachbarte Kapillaren (die kleinen Blutgefäße) werden verschlossen, um Platz zu schaffen für eine großflächige Reparatur. Die durch die Wunde entstandene Lücke im Gewebe wird zunächst mit Sekret aus den verletzten und eröffneten Blut- und Lymphgefäßen gefüllt. Durch die Gerinnungsvorgänge verkleben dann die Wundflächen. Daraus entsteht der Schorf an der Wundoberfläche, der fest und unelastisch ist und die Wunde vor Austrocknung, Infektionen und äußeren mechanischen Einflüssen schützt. Handelt es sich um sehr große oder bereits infizierte Wunden, kommt es zu einer verstärkten Wundsekretion anstelle der Schorfbildung – die Wunde nässt. Aus den Kapillaren treten dann Leukozyten (weisse Blutkörperchen) aus, die Enzyme freisetzen, um die Bakterien und abgestorbene Zellen abzubauen. Vor allem großflächige und Schürfwunden nässen recht lange, weil der Schorf immer wieder aufbricht.

2. Phase: Proliferations- oder Granulationsphase (Phase der Gewebsneubildung)

Schon nach 12 bis 36 Stunden kommt es zu einer erhöhten Vermehrung von Bindegewebszellen. Sie bilden Kollagenfasern und Bindegewebsgrundsubstanz, in die wiederum neue Kapillaren einsprießen und sich fest mit den Bindegewebszellen vernetzen. Junges, gefäßreiches Bindegewebe (Granulationsgewebe) entsteht, das über die Kapillaren ernährt wird.

3. Phase:  Epithelisierungsphase/Reparationsphase

Das Granulationsgewebe ist nur eine Übergangslösung, da es ein recht schwammiges Gewebe ist. Nach und nach vermehren sich dann die Zellen des an dieser Stelle üblicherweise vorkommenden Gewebes wieder. Je mehr diese Zellen sich dann miteinander vernetzen, umso stabiler wird das Bindegewebe.  Wenn das verletzte Areal zu groß ist, dann endet die Bindegewebsvermehrung mit der Bildung einer funktionell minderwertigen Narbe. Das „Überbrückungsgewebe“ bleibt somit sichtbar.

 
Die Versorgung von Wunden

 

Ein sehr wertvolles Mittel, das uns bei der Wundversorgung zur Verfügung steht, ist Calendula officinalis, die Ringelblume.

Bei ihren Wirkstoffen handelt es sich in erster Linie um Ätherische Öle, Triterpendiole, Saponine, Flavonoide und Karotinoide. Die Heilkraft besteht vor allem in dem Zusammenspiel und den Wechselbeziehungen der einzelnen Bestandteile. Die Wundheilungsfähigkeit wird auf einen Synergismus der ätherischen Öle und der Karotinoide zurückgeführt.

Calendula ist entzündungshemmend, hemmt das Wachstum von Bakterien und Pilzen, wirkt immunmodulierend auf überschießende Immunreaktionen (wie zum Beispiel überschüssige Narbenbildung) und senkt das Schmerzempfinden. Die Karotinoide fördern die Wundheilung sowie die Regeneration von Gewebszerstörungen aufgrund von Verletzungen, indem sie die Granulation, also die Gewebsneubildung anregen.

Neben den desinfizierenden, antibakteriellen, antimykotischen (pilzhemmenden) und entzündungshemmenden Effekten stimuliert Calendula-Lösung die Fresszellen des Immunsystems, welche geschädigte Gewebeteile aufnehmen und abtransportieren. Zudem nimmt sie Juckreiz und kühlt auf angenehme Weise.

Im Gegensatz zu anderen Wundversorgungsmitteln kann Calendula während der gesamten Dauer der Wundheilung angewendet werden. Jodhaltige Präparate zur Entzündungshemmung und enzymatische Wundreinigungsmittel sollten nach dem Abklingen der Entzündung bzw. nach der Wundreinigung abgesetzt werden, da sie das Gewebe angreifen und die Granulation verhindern. Calendula hingegen wirkt in allen Phasen der Wundheilung unterstützend.

Zur Wundversorgung brauchen Sie Calendula-Lösung. Diese stellen Sie aus Calendula-Urtinktur und Kochsalzlösung (im Notfall geht auch abgekochtes Wasser) in einem Verhältnis von 1:20 her.

Gehen Sie bei der lokalen Wundbehandlung am besten folgendermaßen vor:

  • Waschen Sie die Wunde mit physiologischer Kochsalzlösung unter Druck mit Hilfe einer Spritze oder mit keimfreien Kompressen aus.
  • Waschen Sie mit Fett verunreinigte Wunden mit fließendem Wasser und Seife aus.
  • Reinigen Sie die Wunde  immer von der Mitte nach außen, damit keine Verunreinigungen in das Wundinnere gelangen.
  • Kürzen Sie bei langhaarigen Tieren das Fell um die Wunde herum, damit Sie die Wunde auch gut reinigen können und es nicht zu Verklebungen kommt.
  • Nachdem die Wunde gereinigt ist und wenn die Wunde geschützt werden muss, legen Sie einen keimfreien Gaze-Verband auf, der mit Calendula-Lösung getränkt ist. Dieser Verband sollte feucht gehalten werden und ca. alle 24 Stunden gewechselt werden. Bei zu häufigem Wechsel und bei trockenen Verbänden besteht die Gefahr, dass das Granulationsgewebe unabsichtlich mitentfernt wird. Befindet sich die Wunde an einer Stelle, wo kein Verband möglich ist, sollte sie mehrmals täglich vorsichtig mit Calendula-Lösung behandelt werden.  Im Prinzip ist es in den meisten Fällen besser, wenn Luft an die Wunde kommen kann, denn unter Luftabschluss entwickeln sich sehr gern bakterielle Infektionen. Aber Stellen, die Verunreinigungen besonders stark ausgesetzt sind, wie beispielsweise Pfoten oder Beine, sollten geschützt werden.

Nehmen Sie die Wundversorgung nur dann selbst in die Hand, wenn es sich um kleinere, einfache und oberflächliche Wunden handelt und Sie auch gewährleisten können, Ihr Tier gut zu beobachten. Bei kleinen tiefen Wunden wie Biss- oder Stichverletzungen besteht die Gefahr, dass sich schnell ein Abszess bildet. Sehr große oder tiefe Wunden, starker Blutverlust, tief eingedrungene Fremdkörper sollten tierärztlich versorgt werden. Ebenso sollte tierärztlich abgeklärt werden, ob eine Wunde genäht werden muss oder ob Verdacht auf weitere Verletzungen besteht.

 

Im Zweifelsfall und wenn Sie sich unsicher sind, wie eine Wunde oder der Verlauf der Wundheilung zu beurteilen ist, wenden Sie sich bitte unbedingt an Ihren Tierarzt oder Tierhomöopathen!  

 

 

Foto: Olga Oslina "If I could be anything...", www.piqs.de, Some rights reserved 

 

This is:  Cube6 - Hauptinhalt